Der Drehkranz

Jeder, der schon mal mit unseren Bussen unterwegs war, kennt auch den sogenannten Drehkranz mit seinem auffälligen Faltenbalg. Allerdings auch nur, wenn er mit einem Gelenkbus gefahren ist.

Dieses Bauteil verbindet nämlich den Vorderwagen mit dem Hinterwagen und sorgt dafür, dass der Bus gelenkig ist und somit auch um die engsten Kurven passt.

Die ersten Gelenkbusse, in der Regel MAN Fahrzeuge, waren mit einem Mittelmotor und einen Antrieb über die 2. Achse ausgestattet. Bei diesen Fahrzeugen fuhr der Nachläufer dem Fahrzeug (Vorderwagen) eigentlich nur wie ein Anhänger hinterher. Allerdings wurde die 3. Achse über eine Umlenkung leicht mitgelenkt, damit der Bus auch enge Kurven nehmen konnte.

Heutzutage ist es üblich, den gesamten Antriebsstrang hinten im Nachläufer montiert zu haben. Das hat den Vorteil, die Fahrzeuge barrierefrei gestalten zu können bzw. ein besseres Absenken des Busses zu gewährleisten. Darüber hinaus führt es außerdem zu einer kompakteren Bauweise von Motor und Antrieb.

Ein großer Nachteil ist allerdings, dass sämtliche Versorgungsleitungen wie Lenkung, Heizungsrohre, Luftleitungen, Klimaleitungen und die Elektrik durch den Drehkranz geführt werden müssen. Und das muss dann auch so verlegt sein, dass diese ganzen Komponenten über viele Jahre jeden Lenkeinschlag mitmachen, ohne dabei zu reißen oder durchzuscheuern.

Bild 2

Wie es heute im Allgemeinen üblich ist, übernimmt auch hier ein elektronisches Steuergerät die eigentliche Arbeit bzw. sorgt für einen reibungslosen Ablauf. Wichtig ist nämlich, dass der Bus zum einen bei Geradeausfahrt gestreckt bleibt. Zum anderen darf er bei Kurvenfahrt auch nicht ausbrechen oder instabil werden.

Dafür erhält das Steuergerät einige Fahrzeuginformationen. Dazu zählt unter anderem der Lenkwinkeleinschlag des Lenkrades. Diesen gibt der Fahrer durch das Einschlagen des Lenkrades vor. Hier misst ein Sollwertgeber den Einschlag und gibt diesen an das Steuergerät weiter. Dann gibt es noch den Knickwinkelgeber (das rote Bauteil in der Mitte auf Bild 3…den Schmutz bitte weg denken), welches den Winkel des eingeknickten Drehkranzes in Grad angibt. Zusätzlich benötigt das Steuergerät die Information darüber, ob der Bus vor- oder aber rückwärtsfahren will. Dieses Signal bekommt es vom Fahrstufenschalter. Jetzt ist unter Umständen nur noch die Geschwindigkeit wichtig. Die erhält das Steuergerät vom Tacho.

Sind alle Werte plausibel, lässt sich der Bus ohne Probleme und ohne Ruckeln durch die Straßen manövrieren.

Ist aber irgendetwas unlogisch… z. B. Fahrzeug ohne Lenkeinschlag aber Drehkranz geknickt, was auf glatten Straßen vorkommen könnte, gleicht das Steuergerät diese Werte ab und sorgt dafür, dass der Bus wieder in einen gestreckten Zustand kommt. Dafür sind die zwei schwarzen, doppelwirkenden Hydraulikzylinder links und rechts in Bild 3 verbaut.

Bild 3

Fährt der Bus z. B. zu schnell rückwärts und wird dabei das Lenkrad zu weit eingeschlagen, schützt sich der Drehkranz selber, indem das Steuergerät eine Bremsung einleitet und der Motor auch kein Gas mehr annimmt…egal wie sehr der Fahrer dieses auch möchte.

Jeder, der schon mal mit Auto und Anhänger rückwärts gefahren ist, weiß wovon ich hier rede und wie schnell der Anhänger, ohne dass man es will, quer im Stall steht 🙂

Jens Wefer

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