Der Reifen….die Verbindung zwischen Bus und Asphalt !

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Um einen vollbesetzten Bus bewegen zu können, benötigt man nicht nur einen kräftigen Motor. Wie bei allen Fahrzeugen, vom Fahrrad, übers Motorrad, bis hin zum Kraftomnibus, sorgt die Beschaffenheit und die Größe des Reifens dafür, dass die Kraft des Motors so gut es geht auf die Straße übertragen wird.

Hierbei ist es wichtig, dass der Reifen immer eine gute Haftung zum Asphalt hat. Gleichzeitig soll er aber auch einen sehr geringen Rollwiderstand besitzen. Das sorgt für einen geringeren Kraftstoffverbrauch und somit zu einer Reduzierung des CO²- Ausstoßes.

Die Verarbeitung eines Reifens hängt sehr von der Größe, dem Gewicht und die Geschwindigkeit des Fahrzeuges ab. Daher besitzen die Reifen der Nutzfahrzeuge, im Unterschied zu den PKWs, stärkere Karkassen, um der hohen Beanspruchung standhalten zu können. Außerdem verfügen Busreifen über eine verstärkte Seitenwand. Stadtbusse haben nämlich einen erhöhten Verschleiß beim Anfahren der Haltestellen.

Im Gegensatz zum PKW-Reifen ist die Gummierung bei einem Bus wesentlich dicker sowie von höherer Stabilität. Da diese Reifen härter sind, ermöglichen sie auch eine höhere Laufleistung.

Es macht auch einen großen Unterschied, auf welcher Achse der Reifen verbaut wurde. Ein neuer Reifen besitzt in etwa eine Profiltiefe von 19 mm. Gewechselt wird er dann bei einer Profiltiefe von ungefähr 5 mm. So schafft ein Reifen auf der Vorderachse ca. 150.000 km. Seine Reibungsmomente erfährt der Reifen hier insbesondere bei der Gewichtsverlagerung während des Bremsens.

Die Räder auf der Mittelachse haben die geringste Reibung. Hier schaffen die Reifen eine Laufleistung von ungefähr 350.000 km.

Am meisten beansprucht wird die 3. Achse ganz hinten. Da unsere Busse mit einem Heckmotor ausgestattet sind, findet hier sinnvollerweise auch die Kraftübertragung statt. Hier verhält es sich ähnlich wie bei einem PKW. Die angetriebenen Räder weisen den größten Verschleiß auf. Ein Busreifen schafft es hier aber immer noch auf stolze 90.000 km.

Aber was passiert mit dem Reifen, wenn er an seine Verschleißgrenze gekommen ist?

Auf Busreifen befindet sich in der Regel der Schriftzug REGROOVABLE“.

Dieser sagt aus, dass die Lauffläche des Reifens eine dickere Gummischicht hat und somit zum Nachschneiden geeignet ist.

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Unser Kollege Dennis Hannawald beim Nachschneiden eines Busreifens.

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Hier werden dann die Profilrillen mit einem beheizten Spezialmesser nachgeschnitten und erhalten hierdurch eine Profiltiefe von zusätzlich 4 mm.

Wenn dann der Reifen abermals an seine Verschleißgrenze gekommen ist, besteht noch die Möglichkeit einer Runderneuerung. Hier wird dann die verschlissene Laufdecke abgehobelt und eine neue Gummischicht mit neuem Profil wird auf die intakte Karkasse raufvulkanisiert.

 

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Unser Kollege Dennis Hannawald bei der Demontage eines Busreifens.

Damit es für einen Reifen aber zu einer hohen Lebenserwartung und somit zu einer Runderneuerung kommt, muss unter anderem regelmäßig der Luftdruck kontrolliert werden. Unsere Fahrzeuge fahren z.B. mit einem Druck von 8,5 Bar.

Ach ja…bei der  Formel 1 entscheidet oftmals der Reifen über Sieg oder Niederlage.

Jens Wefer

6 Gedanken zu „Der Reifen….die Verbindung zwischen Bus und Asphalt !“

  1. Bremerhaven Bus tut sich bei Reifen echt schwer. Naja wie soll man das sagen, in den letzten 20 Jahren hat Bremerhaven Bus erheblich an den Reifen gespart. Bereits zu den frühen Jahren hat Bremerhaven Bus nicht immer die richtigen jahreszeitlichen Reifen auf ihren Fahrzeugen gehabt, deshalb sind die Busse öfters auch in den Parklücken nicht wieder hinausgekommen in den Winterzeiten das hört man nicht altert Bremerhaven sicher noch wissen.

    1. Das kann ich so nicht teilen. Wir haben zu keiner Zeit an Reifen und deren Qualität gespart. Ganz im Gegenteil. Allerdings kann die Fahrbahnbeschaffenheit der Haltebucht das Anfahren bei Glätte erschweren. Aber hier wird seit Jahren und auch in Zukunft einiges getan, um bei winterlichen Verhältnissen nach einem Haltestellenstop wieder vernünftig Fahrt aufzunehmen.

  2. Ein interessanter Artikel. Von diesem Nachschneiden des Profils habe ich noch nie etwas gehört und ich komme aus der Branche (PKW). Schön dass man auch heute noch was dazu lernen kann. 🙂 Mich würde mal interessieren, wie lange dieses Nachschneiden dauert und ob sich das dann überhaupt rentiert. Dieses Verfahren sieht jedenfalls auf den Bildern sehr aufwendig aus.

    Bei den runderneuerten Reifen finde ich es nur etwas problematisch, dass man als Kunde nie so recht weiß, wie der wirkliche Zustand der Karkasse unter der neuen Lauffläche ist. Im denkbar ungünstigsten Fall bekommt man dann vier runderneuerte Reifen (oder mehr beim Bus) mit unterschiedlichen Karkassen von jeweils anderen Herstellern. Dadurch haben die Räder dann jeweils auch eine andere Steifigkeit und das dürfte sich negativ auf die Fahrsicherheit auswirken oder? Wichtig wäre ja gerade bei Nutzfahrzeugen dann auch ein einheitlicher Tragfähigkeitsindex (oder Lastindex). Der soll ja die maximale Belastung des Reifens bei maximaler (zulässiger) Geschwindigkeit angeben. Wäre also durchaus sinnvoll, da gleiche Werte bei allen Reifen zu haben. Was bei einem zu niedrigen Index passieren kann, steht hier https://www.oponeo.de/reifen-abc/tragfahigkeitsindex

    Gruß

    1. Zum Nachschneiden:
      Im Pkw-Sektor ist es auch unüblich, Reifen nachzuschneiden, weil bei der Größe nicht genügend Material (Gummi) zur Verfügung steht. Außerdem reden wir beim PKW über wesentlich höhere Geschwindigkeiten und nur Einzelbereifung (also keine Zwillingsbereifung), was dann zu einem erheblichen Sicherheitsrisiko führen könnte. Auch kommen nur LKW- bzw. Bus-Reifen in Betracht, die mit der Kennung „Regroovable“ versehen sind, wie schon im vorstehenden Bericht erwähnt wurde. Aus Sicherheitsgründen werden Reifen auch nur für die zweite bzw. dritte Achse nachgeschnitten (Zwillingsbereifung), also niemals an der Vorderachse. Zum Nachschneiden eines Reifens benötigt man knapp eine halbe Stunde, was eine gute Kosten/Nutzung-Rechnung darlegt. Mit dem Nachschneiden erreichen wir dann nochmal eine Laufleistung von ca. 60.000 km, was ungefähr einem Jahr entspricht.

      Zur Runderneuerung:
      Zur Runderneuerung werden bei uns ausschließlich unsere eigenen Karkassen verwendet, also Reifen die von unseren Bussen stammen. Dadurch ist dann auch der für das Fahrzeug vorgeschriebene Reifenindex (Tragfähigkeit, Geschwindigkeit usw.) jederzeit gewährleistet. Sämtliche Karkassen werden zudem von der jeweiligen Reifenfirma akribisch in Augenschein genommen, ggf. sogar geröntgt.

  3. Welche Einflüsse auf den Kraftstoffverbrauch durch die Reifen sind in der Praxis bemerkt worden?
    Bei abgefahrenen Reifen und mit hohem Reifendruck sowie gut ausgerichteten parallelen Achsen sollte der Kraftstoffverbrauch niedriger gewesen sein, bei gestreuten Straßen, größeren Profiltiefen wie im Winter nötig und niedrigen Temperaturen höher.

    1. Grundsätzlich sind mehrere Faktoren für die Höhe des Kraftstoffverbrauches verantwortlich.
      Das sind unter anderem die Größe des Motors, die Übersetzung von Getriebe und Hinterachse, das Gewicht des Fahrzeugs, der Luftwiderstand und natürlich auch der Reifen. Im Schnitt rechnet man dem Reifen ungefähr bis zu 20 % des Kraftstoffverbrauches an.
      Jetzt wünscht sich natürlich jeder Autofahrer sehr viele positive Eigenschaften von einem Reifen. Nach Möglichkeit soll er die Kraft des Motors zu 100 % auf die Straße bringen, ohne dass die Räder unentwegt durchdrehen. Gleichzeitig soll er dafür sorgen, dass das Fahrzeug einen sehr kurzen Bremsweg beschreibt. Auch soll er das Fahrzeug jederzeit in der Spur halten. Und das bei jeder Witterung. Zu laut sollte er übrigens auch nicht sein und schon gar nicht zu teuer. Aber dafür eine hohe Laufleistung erzielen.
      Fakt ist, dass die Auswahl des richtigen Reifens immer einen Kompromiss darstellt. Ganz besonders für Pkw-Reifen.
      Für uns ist wichtig, das der Reifen über gute Fahreigenschaften verfügt und auch nach mehreren Kilometern ein gleichmäßiges Tragbild zeigt. Was natürlich in Abhängigkeit mit einer ordnungsgemäßen Achsgeometrie einhergeht.

      Einflüsse auf den Kraftstoffverbrauch durch verschiedene Reifentypen sind bei uns so noch nicht festgestellt worden. Insbesondere nicht in der dunkleren Jahreshälfte. Da verändert sich der Kraftstoffverbrauch allein durch das kältere Klima, das Zuschalten der Zusatzheizung und den ständig mitlaufenden Heizungsgebläsen.
      Und ja, ein ziemlich runter gefahrener Reifen mit erhöhtem Luftdruck weißt durch den geringeren Rollwiderstand einen geringeren Kraftstoffverbrauch aus.
      Nachteil: weniger Gripp, schlechtere Seitenführung, weniger Federungskomfort und ein längerer Bremsweg wären die Folge.

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