„Früher war alles besser“! Auch das Verhalten im Bus?

Jeder hat diesen bekannten Satz schon gehört und die damit verbundenen Diskussionen oft in übler Erinnerung. Meistens kommt es von unseren Omas und Opas, wenn unser Verhalten so gar nicht in ihr Weltbild passt: „ Früher war alles besser…“

Aber was hat das bitteschön mit Busfahren zu tun?

Sehr viel. Denn früher war natürlich nicht alles besser, aber manchmal beschleicht mich schon der Eindruck, dass viele Menschen heute nur noch mit sich selbst beschäftigt sind und nicht erkennen oder sich nicht dafür interessieren, ob das eigene Verhalten vielleicht andere Menschen beeinträchtigen könnte.

Ich möchte deshalb heute ein paar Verhaltensweisen beschreiben, die andere Mitreisende wirklich nerven oder die auch einfach nur unfair sind.

Musik und Telefonate

Mancher Mitreisende schafft es trotz Kopfhörer, den halben Bus mit seinen Lieblingssongs zu beglücken. Dazu ganz ehrlich: Lasst Eure Musik Euer kleines Geheimnis bleiben und genießt die Musik ein paar Dezibel leiser.

Über das Telefonverhalten mancher Mitreisender kann ich mich auch nur wundern. Zuhause zieht Ihr Euch in den letzten Winkel der Wohnung zurück und schließt möglichst noch alle Türen, damit ja keiner etwas von Eurem Telefonat mitbekommt und im Bus: Lautstarke Unterhaltung mit privaten Geschichten inklusive aller schlüpfrigen Details. Auch hier würde ich mir wünschen, dass manche Information einfach vertraulich bleibt und deshalb nicht in einem vollbesetzten Bus am Telefon diskutiert werden sollte.

Essen und Trinken

Hierzu möchte ich mich kurzfassen: Der nächste Fleck trifft Deine neuen Designerjeans. Warum? Selbst wenn du es schaffst, trotz Bremsvorgängen und Kurvenfahrten im Bus nicht zu kleckern, einer deiner Mitreisenden schafft es garantiert und deshalb kann Dir schon der Sitz im nächsten Bus ein fettiges oder farbiges Andenken bescheren. Deshalb die klare Ansage: Kein Essen und Trinken im Bus!

Ältere, schwangere oder mobilitätseingeschränkte Menschen

Hierzu möchte ich anmerken, dass manche Fahrgäste am Telefon oder bei einer Unterhaltung zwar wahre Dampfplauderer sind, aber bei dem Satz „Darf ich Ihnen den Platz anbieten?“ plötzlich eine unerklärliche Sprachhemmung haben.

Aber Spott beiseite: Wenn Ihr seht, dass es Mitreisenden einfach schwerfällt die Fahrt stehend zu schaffen, weil sie vielleicht alt, schwanger oder mobilitätseingeschränkt sind, seid fair und helft, indem Ihr freiwillig Euren Sitzplatz anbietet.

Drängeln beim Ein- oder Ausstieg

Ein uraltes Problem mit hohem Nervfaktor, das deshalb auch das Zeug zum Dauerärgernis hat: Mitreisende, die schon ins Fahrzeug drängeln bevor alle ausgestiegen sind!

Da auch Generationen von Gelehrten dieses Verhalten nicht haben ausmerzen können, schlage ich in Abwandlung der alten Methode „Schreibe 100 x den Satz: Erst aussteigen, dann einsteigen“, deshalb folgenden modernen Selbstversuch vor:

Lest bitte die folgenden 5 Zeilen 20 x laut vor:

Erst aussteigen, dann einsteigen
Erst aussteigen, dann einsteigen
Erst aussteigen, dann einsteigen
Erst aussteigen, dann einsteigen
Erst aussteigen, dann einsteigen

P.S. Falls Ihr das im Bus ausprobieren wollt: Lest leise!  😉

Jörg Fröhlich

Ein Gedanke zu „„Früher war alles besser“! Auch das Verhalten im Bus?“

  1. Tja, lautes Telefonieren in Bus und Bahn ging damals noch nicht, weil es noch keine allgemein erschwinglichen Handies gab. Aber es gab ab Anfang der 80iger die sog Walkmens, mit denen man auch den halben Bus unterhalten konnte—

    Ganz „beliebt“ waren damals bei einigen Zeitgenossen auch die hinteren Bankreihen im Bus, liessen sich doch die Polster der Sitze so herrlich zerschneiden und Wände und Rückbänke mit Filzstiften beschmieren. Zum Glück gibt es heute eine Videoüberwachung im Bus und diese Unsitte hat stark nachgelassen.

    Interessant finde ich in dem Zusammenhang, das die Straßenbahn, solange sie noch führ, selbst im Beiwagen nicht so stark verschmierte oder zerstörte Sitze hatte und nicht alle Wagen hatten Holzbänke bzw Sitzpolster. Vielleicht fuhr auf der damaligen Linie 2 einfach ein anderes Publikum und / oder es lag mit daran, das die Straßenbahn in ihren letzten Jahren ja kaum noch fuhr.

    Ich erinnere mich auch noch sehr gut, das in einen der alten MAN SG 192 im Nachläufer teilweise Holzbänke eingebaut wurden. Da diese Busse keinen Heckantrieb hatten, schaukelten und schlingerten sie sowieso schon mehr, als das die Busse heute tun und es gab noch einige Straßen, die Kopfsteinpflaster hatten. Das machte dann richtig Laune auf den Holzdingern zu sitzen…..

    Aufgestanden wurde für Ältere und „Versehrte“, wie man es damals nannte, meines Empfindens nach auch öfter und es gab auch schon den einen oder anderen „Senioren“, der sein Begehr mit dem Krückstock Nachdruck verlieh, wenn man nicht gleich aufsprang,

    In Polen erlebe ich es immer wieder, das auch Jugendliche sofort und ohne zu murren aufstehen, sobald jemand einsteigt, der einen Platz erkennbar nötig hat und auch, wenn es kein „Behindertenplatz“ ist.

    Ach ja und last but not least: die Drängelei, das alte Lied. Gabs damals auch schon, Wobei in Bremerhaven eher das Trödeln der Fahrgäste beim Ein- und Aussteigen das Problem war. Ein Fahrer machte sich da immer einen Spaß draus und sagte dann über Öautsprecher: und beim Austeigen wie immer: gaaaanz langsam!!

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