ÖPNV im Zeichen der Krise

Seit 1 ½ Wochen fahren wir nun im Krisenmodus. Unser Ziel ist es, auch in dieser angespannten Situation unser Angebot so weit wie möglich aufrechtzuerhalten. „Warum eigentlich?“ wird der eine oder andere fragen. Schließlich sind doch alle Schulen geschlossen und alle anderen gehen ins Home Office.

Ganz so ist es nicht. Es gibt immer noch viele Menschen, die ihren gewohnten Weg zur Arbeit antreten müssen und Bremerhavener*innen, die nur mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Arzt oder zum Supermarkt kommen. Und genau für diese Menschen müssen wir da sein. Wir nutzen zurzeit einen Samstagsfahrplan plus Zusatzleistungen und gehen davon aus, dass wir diesen möglichst lange stabil und pünktlich aufrechterhalten können. Des Weiteren versuchen wir möglichst nur noch Gelenkbusse einzusetzen, um den Fahrgästen zu ermöglichen in den Fahrzeugen so gut es geht Abstand zu erhalten. Inwieweit das in den kommenden Wochen möglich ist, hängt von den Fakten und Umständen ab, die wir immer wieder neu bewerten.

Was haben wir bis jetzt gemacht? Aus Sicht unserer Fahrgäste ist sicherlich die Einstellung des Fahrausweisverkaufes beim Fahrer am auffälligsten. Hierdurch wollten wir diesen aus unserer Sicht höchst kritischen Bereich der Infektionsverbreitung sowohl für unsere Fahrgäste wie auch unser Personal eliminieren. Ins Auge fällt auch die zum Fahrerbereich eingezogene Schutzfolie. Dieses dient besonders zum Schutz der Fahrer*innen und damit der Stabilität des Angebotes. Sollte sich nämlich erst einmal einer unserer Fahrer*innen infiziert haben, kann dies zu weitreichenden Konsequenzen für den gesamten Fahrdienst führen. Ich bin mir bewusst, dass dieses ein etwas eigenartiger Anblick aus dem Fahrgastraum heraus ist, aber führen Sie sich bitte vor Augen, dass der Fahrer in diesem Moment das wichtigste Glied in der Kette ist, um den ÖPNV aufrechtzuerhalten.

Weiterhin werden wir ab morgen jeden zweiten Sitz in unseren Bussen sperren, um eine weitere Auflockerung der Fahrgäste zu erreichen. Weiterhin desinfizieren wir unsere Busse nach der Rückkehr auf den Betriebshof gründlich und führen dies seit zwei Tagen auch an den Endhaltestellen tagsüber durch. Dass dieses kein absoluter Schutz vor einem möglichen Infektionsrisiko ist, ist uns auch klar, aber wir versuchen auch die kleinsten Quellen auszumerzen. Ich schließe mich an dieser Stelle aber dem Rat der Fachleute an, Einmalhandschuhe zu benutzen und darauf zu achten, dass man nach dem Berühren von sogenannten Kontaktflächen sich die Hände desinfiziert und nicht ins Gesicht fasst.

Auch intern mussten wir in den letzten Tagen eine Menge regeln. Hier gilt das Hauptaugenmerk auf die Aufrechterhaltung des Betriebes zu halten. Wo es geht, erledigen unsere Mitarbeiter*innen ihre Arbeit zurzeit vom sogenannten Home Office aus. Das ist aber bei einem Verkehrsbetrieb natürlich nicht für alle Kolleg*innen möglich. Wir versuchen für besonders kritische Bereiche (Werkstatt, Leitstelle, Steuerung, Planung, etc.) Teams zu bilden, die sich möglichst nie begegnen. Das heißt, wenn ein Team infiziert wird und evtl. für einige Tage oder Wochen ausfällt, gibt es als Backup immer noch das zweite Team um den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Was unsere Fahrerinnen und Fahrer betrifft, möchte ich an dieser Stelle einmal ein dickes Dankeschön loswerden. Sie machen einen tollen Job und sind für Bremerhaven tagtäglich unterwegs. Auch sie sind Väter und Mütter und müssen in dieser Ausnahmesituation vieles, z. B. die Betreuung ihrer Kinder zu Hause, unter einen Hut bringen. Haben Sie bitte etwas Verständnis für unsere Alltagshelden, wenn es mal ein wenig „knapper“ werden sollte.

Robert Haase

 

2 Gedanken zu „ÖPNV im Zeichen der Krise“

  1. Sehr geehrter Herr Haase,

    die Idee, jeden 2. Sitzplatz zu sperren, finde ich gut, denn so hat man in der Tat ein bischen mehr Abstand. Nur, wie wollen Sie bei der jetzt von Ihrer Verkehrsgesellschaft durchgeführten Taktausdehnung Überfüllungen vermeiden? Es müssen sich jetzt schon mehr Fahrgäste in einen Bus zwängen, weil er seltener fährt. Wenn nun auch noch die Hälfte der Sitzplätze wegfällt, steht dieser Teil der Fahrgäste; Noch mehr Enge, noch mehr Gedrängel beim Ein- und Aussteigen und damit erhöhte Ansteckungsgefahr. Mir scheint diese Aktionen eine „Katze – beisst – sich – in – den – Schwanz“ Angelegenheit zu sein. Sie müßten, um nun etwas zu erreichen, mehr Busse einsetzen und nicht weniger! Oder ist die Stehplatzanzahl auch halbiert? Ich verstehe die Logik hier nicht!

    Mit freundlichen Grüßen
    Thorsten Bartel

    1. Der seit dem 20. März 2020 gültige Sonderfahrplan soll sicherstellen, dass der öffentliche Personennahverkehr mit den Linien von BREMERHAVEN BUS über einen noch nicht absehbaren Zeitraum aufrechterhalten wird. Wir haben bei der Planung berücksichtigt, dass aufgrund der Kontaktbeschränkungen weniger – oder bestenfalls gar keine – Freizeitfahrten unternommen werden und dass viele Beschäftigte aufgrund von Maßnahmen in den jeweiligen Betrieben nicht mehr zur Arbeit fahren. Wie viele Fahrgäste dann noch mit unseren Bussen unterwegs sein würden, konnte Mitte März nur geschätzt werden. Da die Einschränkungen des Fahrplanes überwiegend die Nachtlinien und generell wenig nachgefragte Fahrten betreffen, hat es leider vereinzelte Fahrten gegeben, bei denen die Busse so besetzt waren, dass die Abstandsregeln nicht eingehalten werden konnten.

      Zwischenzeitlich haben wir Erfahrungswerte gesammelt und gegengesteuert. Neben einer deutlicheren Kennzeichnung der Abstandsregeln im Bus wurden auf den betroffenen Linien größere Busse und sogenannte „Tandemwagen“, die zusätzlich in sichtbarer Entfernung hinter der regulären Linie fahren, eingesetzt. Wir beobachten und bewerten die Situation in unseren Bussen täglich neu. Die aktuelle Meinung der Experten ist, dass noch viele weitere Menschen erkranken werden. Unter der Maßgabe, dass noch für einen längeren Zeitraum genügend Mitarbeiter*innen für den Fahrbetrieb zur Verfügung stehen sollen, ist eine deutliche Ausweitung des Fahrtenangebotes oder eine Rückkehr zum regulären Fahrplan derzeit nicht darstellbar.

      Wir bitten deshalb um Verständnis und um Ihre Mithilfe. Bitte unternehmen Sie nur wirklich notwendige Fahrten und weichen Sie nach Möglichkeit auf verkehrsschwache Zeiten oder nötigenfalls auch einmal auf eine nachfolgende Fahrt aus, wenn absehbar ist, dass in einem Bus die Abstandsregeln nicht eingehalten werden können.

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