„Ziehharmonikabusse“ seit 55 Jahren, Teil 1

Ganz selbstverständlich fahren wir für Euch an 365 Tagen im Jahr von A nach B. Moderne barrierefreie Niederflurbusse mit Automatikgetriebe werden dafür eingesetzt. Seit 1965 können wir zusätzlich Gelenkbusse – im Volksmund auch „Ziehharmonikabusse“ genannt – anbieten. Diese Fahrzeuge sind vom Komfort her nicht mit den heutigen zu vergleichen. Recht mühsam musste über Eingangsstufen an den Türen das Fahrzeug erklommen werden. Rollstuhlfahrer waren von der Beförderung ausgeschlossen. Kinderwagen sind in den Fahrgastraum gehoben worden. Ich stelle mal den interessanten Weg bis dato dar. Zunächst, im ersten Teil, die Entwicklung von 1965 – 1980.

MAN-Gelenkbus vom Typ 890 UGM 16A

Heutzutage sind großräumige „Gelenkzüge“ bei der Verkehrsgesellschaft nicht mehr wegzudenken. Ende 1965 wurde in Bremerhaven mit 4 Fahrzeugen vom Fabrikat MAN (Typ 890 UGM 16A, siehe Titelfoto) begonnen. Erweitert wurde bis 1970 auf 15 Kraftomnibusse (KOM). Die internen Nummern der gesamten Serie umfasste die KOM 101 – 115.

Der Motor mit Schaltgetriebe befand sich im Vorderwagen und war als sogenannter Unterflurmotor (unter dem Fußboden liegend) verbaut. Die Nachläuferachse, die dritte Achse des 16-Meter-Busses, ist bei Kurvenfahrten mitgelenkt worden. Der Fahrgast konnte bereits auf roten Kunstledersitzen Platz nehmen.

Zuallererst profitierten die Fahrgäste der Linie 5/6 von Wulsdorf (Deichhämme bzw. Bahnhofstraße) nach Lehe davon. Diese Linie wurde zeitnah mit dem Eintreffen der neuen Busse in den ständig wachsenden Stadtteil Leherheide (West) verlängert.

Verkehrsunternehmen sehen bis heute den Vorteil im Gelenkbuseinsatz, da mehr Kunden befördert werden können als mit einem Solowagen; zumal in Bremerhaven nach einer kurzen Übergangsfrist im Einmannbetrieb – ohne Schaffner – gefahren wurde.

MAN-Gelenkbusse vom Typ 890 SG bzw. SG 192

Foto: Homann

Die Omnibusse vom Nachfolgetyp – anno 1971 – waren ebenso vom Hersteller MAN (Typ 890 SG / SG 192) und die ersten drei Fahrzeuge noch mit Schaltgetriebe ausgerüstet. Sie wurden nach den Richtlinien des Verbandes öffentlicher Verkehrsbetriebe (VÖV, heute VDV) produziert. Das Kürzel SG von der Typenbezeichnung wies auf diesen Standard-Gelenkbus hin.

Ab Mitte der 1970er-Jahre bekam Bremerhaven nur noch Gelenkbusse mit Automatik-Getriebe. Vorteil für Anwohner und Fahrgäste lagen klar auf der Hand, da die Fahrzeuge erheblich leiser unterwegs waren. Der Busfahrer mit den ständigen Stopps im Verkehr und an den Haltestellen profitierte ebenfalls. Auch bei diesem Typ waren die Sitzplätze mit rotem Kunstlederbezug versehen.

Foto: Homann

Das Einsatzgebiet umfasste zunächst die KOM-Linien 1 und 3 von Grünhöfe kommend über Hauptbahnhof sowie die Verjüngung des Fahrzeugparks der wichtigen Durchmesserlinie 5/6, die ihrerseits die Gelenker vom Vorgängertyp 890 UGM 16A an die Buslinie 7 (Leherheide – Schiffdorf) abgab.

Der Nummernbereich der Serie umfasste die KOM 116 – 140.

Auf Hinblick der Stilllegung der letzten Straßenbahnlinie 2 auf Busbetrieb wurde der Gelenkbus-Wagenpark 1980 mit dem bewährten Bustyp SG 192 um weitere 15 Fahrzeuge aufgestockt: KOM 200 – 214. Genügend Platz für die Wartung und Abstellung war auf dem neu gebauten Omnibusbetriebshof an der Straße zur Hexenbrücke vorhanden.

Vorschau: Im zweiten Teil geht es um die Fahrzeuge, die 1981/82 beschafft wurden.

Paul Homann

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