„Ziehharmonikabusse“ seit 55 Jahren, Teil 2

Bus MAN Typ SG 240 HIm Teil 1 der mehrteiligen Serie habe ich die Gelenkbusse der Baujahre 1965 – 1980 vorgestellt. Jetzt geht es um die Fahrzeuge, die 1981/82 beschafft wurden.

MAN-Gelenkbus vom Typ SG 240 H

Der Nachfolger aus dem Hause MAN (Typ SG 240 H, siehe Titelfoto) hatte gegenüber dem Vorgänger eine andere Technik. Der Motor wurde nun im Nachläufer als Heckmotor untergebracht. Die Antriebsachse befand sich aber weiterhin im Vorderwagen. Über eine Kardanwelle mittels eines Weitwinkelgelenks zwischen dem Nachläufer und der Antriebsachse wurde die aufwendige Verbindung hergestellt.

Der Vorteil lag darin, dass der Motor für Wartungsarbeiten einfacher zugänglich war. Der Wagenboden konnte niedriger gebaut werden, was sich positiv auf den Ein- und Ausstieg auswirkte. Ein wesentlicher Nachteil war, dass die doppelbereifte Antriebsachse im Vorderwagen beim Anfahren – besonders bei leerem Fahrgastraum – durchdrehte und beim Bremsen auf nassem Kopfsteinpflaster ausscherte.

Die Türen 2 und 3 wurden durch den Fahrgast, nach Freigabe durch den Fahrer, selbst betätigt (bisher war’s nur für die dritte Tür vorgesehen). Um ein vorzeitiges Zulaufen der Automatiktüren zu verhindern, konnten Fahrgäste und Fahrer die Türen durch zusätzliche Taster blockieren, z. B. bei Kinderwagennutzung.

Die Serie umfasste 6 Fahrzeuge, KOM 215, der bereits 1981 geliefert wurde und die Busse mit den Nummern 216 – 220 aus 1982. Sie wurden freizügig auf allen Gelenkbuslinien eingesetzt.

Mercedes-Gelenkbus vom Typ O 305 G

Auffallend ist die attraktivere Farbgebung der neuen Busmodelle
Auffallend ist die attraktivere Farbgebung der neuen Busmodelle / Foto: Homann

1981/82 beschaffte die Verkehrsgesellschaft erstmals auch Gelenkbusse von Mercedes (Daimler-Benz). Die Technik war anders, da der Bus vom „Nachläufer“ aus geschoben wurde, d. h. der Motor befand sich im Heck und die Antriebsachse ebenfalls im Hinterwagen. Dies wurde möglich durch die Knickwinkelsteuerung, die die Fahrzeugwerkstätten Falkenried – eine Tochterfirma der Hamburger Hochbahn AG – entwickelten.

Die Technik des sogenannten Schubgelenkbusses mit Motor und Antrieb im Nachläufer, wird bis heute verwandt und ist auch für Niederflurbusse von Vorteil, da der Wagenboden extrem niedrig gehalten werden kann und dadurch der Ein- und Ausstieg für Fahrgäste erheblich erleichtert wird. Die Werkstätten profitierten ebenfalls, da die Motor-Komponenten nun im Heck verbaut waren. Wermutstropfen für den Fahrer: Da die 3. Achse nun als Antriebsachse ausgeführt war, fand keine Mitlenkung mehr statt.

Die Türen 2 und 3 wurden durch den Fahrgast, nach Freigabe durch den Fahrer, selbst betätigt. Dies erfolgte bei der VGB analog zu den MAN-Bussen. Bequeme Fahrgastsitze mit Velourbezug (Stoffsitze) wurden dem Bremerhavener Kunden ebenfalls geboten (diese Tatsache betraf auch die MAN-Fahrzeuge der gleichen Lieferjahre).

Die Serie der Daimler-Benz-Busse umfasste 7 Fahrzeuge, KOM 300, der bereits 1981 zunächst als Vorführfahrzeug lief und die Busse mit den Nummern 301 – 306 aus 1982. Sie wurden freizügig auf allen Gelenkbuslinien eingesetzt.

Vorschau: Ging es bis dato um den VÖV-Standard-Gelenkbus der ersten Generation, berichte ich im dritten Teil über das Nachfolgemodell der Generation II.

Paul Homann

3 Gedanken zu „„Ziehharmonikabusse“ seit 55 Jahren, Teil 2“

  1. KOM 215 bis 220 waren gefühlt häufig auf der Linie 5 im Einsatz, 300 bis 306 eher auf der Linie 2. Die MAN-Fahrzeuge (215 bis 220) fühlten sich schwerfälliger als die Mercedes-Busse (300 bis 306) an.

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